Visualtherapie / Visualtraining

Bevor eine Therapie beginnen kann, muss man erst einmal wissen, welche Probleme bestehen und mindestens genauso wichtig, welche Fähigkeiten gut beherrscht werden. Das ist bei Sehproblemen genauso. Nur weil ein Mensch Problem beim Lesen hat, sollte man nicht einfach eine Therapie starten.

Die Fähigkeiten und Probleme müssen untersucht werden. Dazu bedarf es einer visuellen Analyse.

Ergibt diese visuelle Analyse Defizite in den Grundfähigkeiten und / oder den visuellen Fähigkeiten, so ist es sinnvoll ein Visualtraining, eine Visualtherapie (VT) durchzuführen. Die VT ist ein Therapie die auf den vorhandenen Fähigkeiten aufbaut und diese erweitert. Der Patient erhält vom Therapeuten Übungen, in die er eingewiesen, beobachtet, berichtigt und geschult wird.

Praktisch sieht das so aus, dass der Therapeut auf Grund der Ergebnisse der visuellen Analyse für den Patienten vier Übungen auswählt. Diese Übungen werden so gestaltet dass der Patient jede einzelne Übung mit Anstrengung erfolgreich meistern kann. Die Übungen werden in der SDVW erklärt und praktisch durchgeführt.

Zu Hause führt der Patient die Übungen täglich aus. Der Zeitaufwand schwankt zwischen 15 und 30 Minuten pro Tag. In der Regel kommt der Patient nach 14 Tagen wieder in die Praxis. Es werden die Übungen der letzten 14 Tage besprochen, kontrolliert und entstandene Probleme geklärt.

Auf Grund der dann aktuellen Fähigkeiten werden die Übungen verändert oder durch andere ersetzt. Diese werden wieder in der SDVW geübt und anschließend täglich zu Hause durchgeführt.

In diesem Rhythmus arbeiten Patient und Therapeut zusammen, bis die Qualität der visuellen Fähigkeiten soweit aufgebaut ist wie es der Patient wünscht.

Vier Übungen

Warum besteht jede Therapieeinheit aus vier Übungen (bis auf wenige Ausnahmen)?

Das Ziel jeder Visualtherapie (jedes Visualtrainings) besteht darin, dass das trainierte Niveau integriert ist. Das Niveau einer Fähigkeit ist Integriert, welches automatisch ohne darüber nachzudenken angewandt wird. Ein Beispiel aus dem täglichen Leben, dass die meisten Menschen kennen: In der Fahrschule, beim Autofahren lernen, hat jeder beim Schalten bewusst die Kupplung getreten. Nach einigen Jahren des Autofahrens schaltet man automatisch. Nur wenn man darüber nachdenkt, merkt man, das man auch die Kupplung dabei tritt.

Nur integrierte Fähigkeiten verändern das Handeln im täglichen Leben. Eine Therapie macht nur Sinn, wenn am Ende die Fähigkeiten auf einer höheren Qualität integriert sind als zu Beginn der Therapie.

Dazu ein Beispiel: Auf Grund einer langwierigen Verletzung gewöhnt sich ein Mensch an, das rechte Bein nicht anzuheben. Diese Bewegung bereitet Schmerzen. Das hat zur Folge, dass die Person beim Treppensteigen immer mit dem linken Bein die nächst höhere Stufe betritt und das rechte Bein nur nachzieht. Besteht das gesundheitliche Problem lange genug, so wird die Person diese Art des Treppensteigen automatisch ohne darüber nachzudenken anwenden. Sie wird weiter so die Treppen gehen, auch wenn sie wieder beschwerdefrei ist. Diese Art des Treppensteigen ist antrainiert und integriert (wird automatisch gemacht). Wenn die Person wieder "normal" also alternierend Treppen laufen will, muss sie dieses neu trainieren. Als Therapie reicht es nicht täglich 100 mal des rechte Bein zu heben. Es muss das Treppen steigen praktisch trainiert werden. Das Trainieren einzelner Bestandteile des kompletten Bewegungsablaufes führt nicht zu einem geänderten Verhalten (es wird weiter alternierend die Treppe gestiegen).

Im Sehen unterscheiden wir vier Arten von Fähigkeiten:

  • Augenbewegungen
  • Vergenz
  • Akkommodation
  • Bewusstsein

In der Therapie müssen immer alle vier Bereiche gezielt angesprochen werden. Durch die isolierte Ansprache eines Bereiches kann man kaum eine Integration der Veränderungen erreichen. Man erzielt durchaus bei dieser Fähigkeit eine deutliche Verbesserung. Nur im täglichen Leben wird die Fähigkeit nicht in der trainierten Qualität angewandt. Im Zusammenspiel arbeiten die einzelnen Fähigkeiten wie bisher auf gewohntem Niveau zusammen.

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