Wer macht was:

Augenoptik (internationale Bezeichnung: Optometrie) ist die Lehre der Messungen und Bewertungen des Sehen, der Funktionsweise des visuellen Systems. Sie beinhaltet biologische, physiologische, psychologische und physikalische Aspekte, Kenntnisse und Techniken. Ihr Ziel ist es, Ursachen von Sehproblemen zu erkennen, Fehlsichtigkeiten zu messen und mit physikalisch-optischen Mitteln und neuropsychologischen Techniken das beidäugige Sehen zu optimieren.

  • Ergänzende Erläuterungen, siehe weiter unten.
  • Optometrie - siehe Augenoptik – Optometrie ist die Internationale Bezeichnung für Augenoptik. International beinhaltet die Ausbildung zum Optometristen mehr Pathologie und mehr Pharmakologie als die deutsche Ausbildung zum Augenoptikermeister. Dafür fehlt in der internationalen Optometrie-Ausbildung die Anfertigung von Sehhilfen.

  • Ergänzende Erläuterungen, siehe weiter unten.
  • Die Funktionaloptometrie (internationale Bezeichnung: Behavioral Optometry) ist ein spezielles Teilgebiet der Optometrie. Zusätzlich zum allgemeinen Inhalt der Optometrie beschäftigt sich die Funktionaloptometrie mit der allgemeinen und visuellen Entwicklung und der Qualität der visuellen Grundfunktionen, der cerebralen Verarbeitung des visuellen sensorischen Inputs und der daraus resultierenden Motorik und Wahrnehmung = angewandte Neuropsychologie.

  • Ergänzende Erläuterungen, siehe weiter unten.
  • Bestandteile der Funktionaloptometrie, die auch von Nicht-Funktionaloptometristen ausgeübt werden (dann steht natürlich nicht die ganze Palette der Funktionaloptometrie zur Verfügung):

    Die Kinderoptometrie ist ein Teilgebiet der Funktionaloptometrie. Sie beinhaltet die optometrischen Messungen der visuellen Analyse und die Beratung und Empfehlung von Korrektionen. Ein Hauptaugenmerk der Kinderoptometrie liegt im Screening, also im Ausschluss von Pathologien. Das Visualtraining ist nicht Bestandteil der Kinderoptometrie.

    Die Neurooptometrie ist ein Teilgebiet der Funktionaloptometrie. Sie beschäftigt sich mit der Rehabilitation von körperlichen und / oder kognitiven Fähigkeiten die infolge einer erworbenen oder angeborenen Hirnschädigung beeinträchtigt sind.

    Das Visualtraining / die Visualtherapie (internationale Bezeichnung: Vision Therapy) ist ein individuelles, systematisch aufgebautes neuropsychologisches Training zur Verbesserung der visuellen Grundfähigkeiten und der Wahrnehmung. Das Training wird auf Basis des Ergebnisses der visuellen Analyse gestaltet und durchgeführt.

  • Ergänzende Erläuterungen, siehe weiter unten.
  • Erläuternde, ergänzende Informationen:

    Augenoptik / Optometrie

    Im deutschsprachigen Raum gehört neben der Messung und Beratung auch die Anfertigung und Anpassung von Sehhilfen jeder Art zu dem Tätigkeitsfeld der Augenoptik. Weiter ist die deutsche Augenoptik in zwei Qualifikations-Bereiche unterteilt, es gibt Gesellen und Meister. Nur der Meister ist befugt, das komplette Tätigkeitsfeld der Augenoptik selbständig und eigenverantwortlich auszuüben.

    In Deutschland ist der Optometrist dem Augenoptikermeister gleichgestellt. International gesehen ist der deutsche Augenoptikergeselle zwar Augenoptiker aber kein Optometrist.

    Funktionaloptometrie

    Im Studium der Optometrie werden nur die allgemeinen Grundlagen der Funktionaloptometrie gelehrt. Bei der umfassenden Ausbildung in Funktionaloptometrie handelt es sich weltweit quasi um eine postgraduale Weiterbildung für Augenoptikermeister (Optometristen).

    Das Tätigkeitsfeld der Funktionaloptometrie gliedert sich in drei Kernbereiche, die da sind:

    • Die visuelle Analyse
    • Die Beratung und Empfehlung von Korrektionen mittels Sehhilfen und / oder visuell relevanten Therapien jeder Art.
    • Das Visualtraining (international Vision Therapy)

    Die visuelle Analyse beinhaltet, unter Berücksichtigung des Alters und der speziellen Problematik des Klienten, alle Messungen der Optometrie zur Bestimmung der Qualität und Belastbarkeit der visuellen Grundfähigkeiten und zur Optimierung des binokularen Sehens. Darüber hinaus beinhaltet die visuelle Analyse bei allen Kindern und bei Erwachsenen mit entsprechender Problematik die Bestimmung der Qualität der allgemeinen Grundfähigkeiten (bei Kindern das Entwicklungsalter).

    Die Beratung und Empfehlung von Korrektionen mittels Sehhilfen und / oder visuell relevanten Therapien jeder Art. Bei allen empfohlenen Maßnahmen berücksichtigt die Funktionaloptometrie das Alter / das Entwicklungsalter und die individuelle Situation des Klienten.

    Visualtraining / Visualtherapie wird von Funktionaloptometristen oder speziell dafür ausgebildeten Visualtrainern / Visualtherapeuten durchgeführt. Ein Visualtrainer führt die visuelle Analyse nicht durch, er arbeitet ausschließlich auf Verordnung des Funktionaloptometristen, der die visuelle Analyse ausgeführt hat. Visualtrainer / Visualtherapeuten sind Therapeuten mit einer Basisausbildung in unterschiedlichen therapeutischen, pädagogischen und / oder augenoptischen Berufen, die zusätzlich eine Weiterbildung in der visuellen Therapie absolviert haben.

    Unterschiede zwischen der klassischen Optometrie und der Funktionaloptometrie

    Bei der Optometrie und der Funktionaloptometrie werden Messungen durchgeführt und, auf Grund der Ergebnisse der Messungen, Empfehlungen ausgesprochen, wie der Klient mit seiner Fehlsichtigkeit umgehen sollte.

    Messungen: In dem Bereich der optometrischen Messungen unterscheiden sich die klassische Optometrie und die Funktionaloptometrie nicht grundsätzlich. Beide führen systematisch optometrische Messmethoden durch. Die Messungen können sich unterscheiden, aber es können auch exakt die gleichen Messungen sein.

    Bei allen Kindern und bei Erwachsenen mit einer entsprechenden Problematik bestimmt die Funktionaloptometrie zusätzlich die Qualität der allgemeinen Grundfähigkeiten. Das macht die klassische Optometrie nicht.

    Empfehlungen: In dem Bereich der Empfehlung, die aus der Untersuchung resultieren, gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen der Optometrie und der Funktionaloptometrie.

    Die Optometrie empfiehlt die maximale Korrektion.
    Die Funktionaloptometrie empfiehlt die minimale Korrektion.

    Grundvoraussetzung:

    Die Qualität des beidäugige Sehens ist mit der maximalen und der minimalen Korrektion gleich gut.

    Es gibt die Situation, in der die maximale und die minimale Korrektion identisch sind. Interessant ist die Situation, in der sich die maximale und die minimale Korrektion unterscheiden.

    Die maximale und die minimale Korrektion unterscheiden sich:

    Die Optometrie möchte ihrem Klienten mit der Korrektion maximalen Komfort schaffen, so dass der Klient mit seiner Korrektion auf Anhieb so bequem wie möglich sieht.

    Die Funktionaloptometrie möchte ihrem Klienten mit der Korrektion so viel Flexibilität wie nur irgendwie möglich bewahren. Die eigenen Fähigkeiten werden gefördert.

    Zur Erläuterung ein Beispiel:

    Bei der MKH (Mess- und Korrektionsmethodik nach Haase) handelt es sich um eine optometrische Messmethode, die in der Optometrie und in der Funktionaloptometrie angewandt wird. Mit der MKH wird der Bedarf an prismatischer Wirkung zur Korrektion einer Winkelfehlsichtigkeit ermittelt.

    Der Optometrist, der die Korrektion streng nach Haase ausführt, wird die maximale Unterstützung mittels Prismen geben, mit dem das beste beidäugige Sehen besteht. Er wird bei jeder Kontrolle überprüfen, ob die prismatische Wirkung noch ausreicht. Oder ob sie gesteigert oder gesenkt werden muss. Er hat nach Haase das Ziel, den Klienten immer maximal zu entlasten.

    Der Funktionaloptometrist wird die minimale Unterstützung mittels Prismen geben, mit dem das beste beidäugige Sehen besteht. Er wird bei jeder Kontrolle überprüfen, ob die prismatische Wirkung reduzieren werden kann oder gesteigert werden muss. Er hat das Ziel, die Fähigkeiten des Klienten maximal auszubauen und ihn aktiv zu stärken.


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